Die arme Telekom kommt gar nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus. Jetzt wurde bekannt (das war ein Bild-Jetzt wie etwa auch
hier), daß bereits 2006 die Daten von 17 Millionen Mobilfunkkunden gestohlen wurden. Oder besser gesagt: Illegal vervielfältigt, denn wenn sie wirklich geklaut worden wären, hätte es ja jemand gemerkt.
So können sich nun AVS-Anbieter mit Profilneurose damit brüsten, die Daten für Werbezwecke eingetauscht zu haben und sie jederzeit den Behörden übergeben zu wollen. Im gleichen Satz dann das Lamento, daß sich ja keiner für die Daten interessiert hätte. Bei den diversen Artikeln in Heise online, Spiegel online, Bild online und wo nicht noch überall ging mir ziemlich die Hutschnur Huch, äh, hoch, was die Chuzpe angeht, mit der der liebe Herr ueber18 seine Selbstvermarktung auf dem Rücken der Mobilfunkkunden betreibt, die er eigentlich
spammen, Äh, mit selbstverständlich per Double-Optin genehmigter Werbung versorgen wollte.
Noch größere Verwunderung verursacht (zumindest bei mir) folgende Aussage:
Zudem war kürzlich bekannt geworden, dass T-Mobile Einzelverbindungsnachweise aller Gespräche von Aufsichtsräten in Ordnern sammelte. Die aufgelisteten Nummern der Gesprächsteilnehmer waren nach Angaben der Frankfurter Rundschau nicht unkenntlich gemacht, sondern seien durchgängig voll lesbar. Laut Telekom-Sprecher Stephan Broszio sei das normal.
(aus
Heise Newsticker, Hervorhebung von mir). Es ist völlig normal, daß nicht nur alle Gesprächsnachweise der Aufsichtsräte gespeichert werden (auf Papier!), sondern auch daß diese nicht einmal ausgeXt werden?!? In was für einem Überwachungskonzern wähnt sich dieser Herr Broszio bitte? Klar, man wird jetzt sicher wieder die Ermittlungen gegen ein Informationsleck im Aufsichtsrat als Entschuldigung ins Feld führen (ich kann Herrn Obermann förmlich schon hören...), aber das entschuldigt ja gar nichts.
Der ganzen Misere zugrunde liegt wohl ein ziemlich prinzipielles Problem bei der Telekom, denn dieser Moloch von TK-Konzern (und er ist nun einmal einer der ganz Großen, das läßt sich trotz Kundenschwund nicht verleugnen) erlaubt scheinbar zu vielen den Zugriff auf eigentlich streng zu schützende Systeme. Daß durch einen Angriff Daten ihren Weg ins Internet finden, die da eigentlich nicht hingehören, habe ich auch schon miterleben dürfen; sowohl privat als auch beruflich. Allerdings dürfte es sich bei den in letzter Zeit gehäuft auftretenden Problemen wohl eher um "Inside Jobs" handeln.
Nun ist die Frage: Was tun? Kann man als Konsument überhaupt in irgendeiner Weise agieren? Lippenbekenntnisse wie "ich kaufe eh' nichts bei der Telekom, also bin ich sicher" dürften kaum Sinn ergeben - schließlich sind auch andere Anbieter nicht gegen derlei Probleme gefeit. Ich finde es übrigens persönlich recht interessant, wie wenig es in der vielgerühmten Blogosphäre scheppert. Wenn Wolfgang Schäuble Verbindungsdaten abgeheftet hätte, hätte schon jeder zweite Blogger einen Button oder einen dieser nervigen Anti-Überwachungs-Eselsohren auf seiner Webseite. Aber jetzt? Nix. Wohl alle schon seit 10 Jahren Arcor-Kunden und denen kann so etwas ja nicht passieren.
Und eine generellere Frage, gleichsam das Henne-Ei-Problem, habe ich mir gestellt. Sind "Datenschutzskandale" in letzter Zeit massiv Thema in den Medien, weil sie wirklich erst jetzt auftreten und bekannt werden (s.o., "jetzt") oder ist es vielmehr so, daß lediglich sattsam bekannte Prozesse und Mist, der seit Jahren gebaut wird, erst jetzt von der schreibenden Zunft und der "Blogosphäre" als newsworthy erkannt wird?
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